Tag 28: Ein Tag der komplett anders verlaufen ist, als wir es eigentlich geplant hatten. Heute sind wir zusammen mit Lina, Inken, Wiebke, ihrem Freund Papy und Papy’s Freund Richard ins Township Motherwell gefahren, eines der größten Townships hier in der Region. Einer von Papy’s Freunden, Bradé, hatte uns eingeladen um dort mit ihm zu grillen. Oft werden für Touristen hier so genannte Township-Tours angeboten: die Touristen werden dann durch die Townships gefahren und können alles fotografieren. Bei so etwas wollten wir niemals teilnehmen.
Als wir in Motherwell ankamen, stellte sich jedoch heraus, dass Bradé so etwas in der Art für uns geplant hatte. Wir hielten vor einem Haus, in dem ein traditionelles Fest mit vielen Gästen stattfand. Erst dachten wir, dass wir nur kurz dort anhalten und dann weiter zum Grillplatz fahren würden. Bradé bat uns jedoch mit ins Haus zu kommen, wo wir von allen Anwesenden freundlich begrüßt und ziemlich neugierig angeschaut wurden. Uns wurde erzählt, dass die Familie erlaubt hatte, dass wir bei ihrem Fest (ein Fest für die Ahnen um böse Geister zu vertreiben) dabei sein dürfen. Die meiste Zeit saßen wir in einem kleinen Raum am Ende des Hauses und haben uns mit ein paar anderen Gästen unterhalten. Da alle sehr freundlich und aufgeschlossen waren, fühlten wir uns nach einiger Zeit etwas wohler. Trotzdem blieb das unangenehme Gefühl nicht eingeladen und irgendwie fehl am Platz zu sein.
Nach 1 bis 2 Stunden haben wir uns dann von allen verabschiedet und uns wieder auf den Weg gemacht. Im Anschluss gingen wir eine Runde spazieren, wobei Bradé uns ein bisschen was über das Township und die Projekte dort erzählte. Bei einem kleinen Häuschen machte er Halt und unterhielt sich mit einem Jungen. Ich denke mal er bat ihn uns in sein Haus zu lassen. Ich dachte zunächst im Haus sei niemand anwesend, hatte aber trotzdem ein ungutes Gefühl und sagte zu Janne, dass ich eigentlich nicht uneingeladen in ein Haus hineingehen möchte. Auch Janne schien sich ziemlich unwohl zu fühlen. Zunächst sah es so aus als wäre das Haus leer, nach kurzer Zeit bemerkten wir aber, dass in der Ecke ein junges Mädchen saß und gerade Fernsehen guckte. Wir haben uns in dem Moment sehr schlecht gefühlt und wären am liebsten sofort wieder rausgegangen, wollten dem Mädchen aber auch nicht das Gefühl geben, dass wir gehen weil uns ihr Zuhause so erschrocken hat. Es war eine sehr unangenehme Situation, die uns am Abend noch lange beschäftigt hat. Allein die Vorstellung ist absurd: du sitzt zuhause und auf einmal kommt eine Gruppe in dein Wohnzimmer und guckt sich alles mal an. Wir hätten die Besucher wahrscheinlich sofort wieder zur Tür begleitet…
Nachdem wir uns von dem Mädchen verabschiedet hatten, haben Janne und ich auch dem Rest der Gruppe Tschüß gesagt und haben uns alleine auf den Weg nach Hause gemacht. Insgesamt betrachtet sind wir froh, dass wir nun einmal im Township waren, denn das gehört zu Südafrika ebenso dazu wie die reichen Gegenden und die langen Sandstrände. Die Art und Weise wie wir dort waren hat uns allerdings gar nicht gefallen und wir haben uns vorgenommen uns das nächste Mal noch genauer zu informieren um nicht wieder in eine solche Situation zu kommen.
| ein twonship-gemüseladen von innen |
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